Ach, man müsste dichten können, zu jeder Gelegenheit den passenden Spruch parat haben und sich auf alles einen Reim machen können. Wenn einem doch nur die die passenden Wörter in den Sinn kämen und noch dazu in der richtigen Reihenfolge.
Ja, ein Dichter hat‘s nicht leicht, doch es gibt einen Trost: Es ist noch kein Dichter vom Himmel gefallen und schon gar kein Gedicht. Man kann das Dichten aber ebenso erlernen wie das Autofahren oder Stricken. Man muss sich dabei nur an ein paar kleine Regeln halten, wie z. B. das Versmaß oder das Strophenschema. Obwohl diese Dinge eigentlich nur dabei helfen sollen, damit das Gedicht schön rund und rhythmisch klingt. Generell hat man aber beim Dichten ebenso viele Freiheiten wie beim Schreiben von Romanen oder Artikeln im Internet
Über allen Gipfeln
Ist Ruh'
In allen Wipfeln
Spürest Du
Kaum einen Hauch;
Die Vögelein schweigen im Walde
Warte nur, balde
Ruhest Du auch.
Da spürt man förmlich die Totenstille. Es kommt also darauf an, die richtigen Worte zu wählen und sie auch noch richtig anzuordnen. Am besten betrachtet man das Dichten als eine Art Wort- oder Sprachspiele. Also man muss kein Goethe sein, um tolle Gedichte schreiben zu können. Ebenso wenig ist ein Reimlexikon vonnöten.
Für den Anfang ist eine Gedichtform, das „Elfchen“ ideal, um ein Gefühl für das Gewicht von Worten zu bekommen. Ein Elfchen besteht aus 11 Wörtern, man beginnt mit einem Wort, gibt in jeder Zeile eines dazu und schließt wieder mit einem Wort ab. Hier mal als ein kleines Beispiel, ein Elfchen übers Dichten:
Gedicht
ein Wort
gefügt ans andere
mit Liebe und Schmerz
wunderbar
Ja, so einfach kann es sein, zu dichten. Probiert es einfach mal aus! Wir wollen hier nach und nach viele verschiedene Formen und Möglichkeiten der Dichtkunst vorstellen, klassische und moderne, schwierige und einfache und damit zum Gedichteschreiben anregen und um vielleicht in dem einen oder anderen den Goethe zu wecken!